Ini Archibong: "Von Trends habe ich keine Ahnung"

Ob in Handarbeit gefertigt oder direkt aus dem 3D-Drucker – Ini Archibong erobert die Designwelt im Sturm. In der aktuellen Ausgabe der DC Homes erleben Sie den smarten Kalifornier im Interview, in der Langfassung des Gesprächs verrät er noch ein bisschen mehr über sich und seine Arbeit 

Ini Archibong
Ini Archibong, 34, Kalifornier mit nigerianischen Wurzeln, lebt und arbeitet in Basel

DC HOMES: Für das New Yorker Design Brand OTHR haben Sie Buchstützen mit dem 3D-Drucker entworfen. Macht das Spaß?

Ini Archibong: Ganz ehrlich, mit einem 3D-Drucker zu arbeiten, ist nicht besonders sexy. In der Vorbereitung dieses Projekts bin ich nach Venedig gefahren und habe mir die beeindruckenden Arbeiten des italienischen Architekten Carlo Scarpa angeschaut und mich davon inspirieren lassen. Danach ging die eigentliche Arbeit los: viel ausprobieren am Computer. Man sollte sich immer die Vorteile dieser Technik zunutze machen. Es muss nicht in Handarbeit Stück für Stück zusammengefügt, sondern kann direkt als ganzes Objekt gedruckt werden.

Ist die Herstellung mit dem 3D-Drucker ein genereller Trend in den kommenden Jahren?

Ich glaube nicht, dass es nur ein Trend ist. 3D-Druck wird immer effizienter und immer günstiger. Da jeder Zugang zu dieser Technik hat, werden wir in Zukunft viel mehr Designs sehen, die mit dem 3D-Drucker hergestellt wurden. Für mich wird es dort spannend, wo 3D-Technik mit Traditionellem kombiniert wird. Denn das bedeutet, dass wir alltägliche Haushaltswaren wie Waschmaschinen in ihrer Form völlig neu denken können.

Wie wurden Sie Designer?

Mit zwölf Jahren habe ich angefangen, mich für Kunst zu interessieren. Bis zum Ende der Schulzeit habe ich dann so viele Kunstkurse besucht, wie es mir möglich war – ich habe Porzellankeramik gefertigt, mit Holz gearbeitet und einfach alles gemacht, was mir in diese Richtung angeboten wurde. Zur selben Zeit habe ich auch angefangen, mich mit Computerprogrammen zu beschäftigen. Es startete also als ein Hobby und hat mich nicht mehr losgelassen. Allerdings war mir nicht sofort klar, dass ich Designer werden möchte. So habe ich nach der Schule auch erst einmal angefangen, Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Statt zu lernen, habe ich 3D-Objekte entworfen und mich mit Design beschäftigt. Schließlich habe ich das Studium aufgegeben und in einem Architektenbüro angefangen. Diese Arbeit hat mir gezeigt, dass Design das Richtige für mich ist.

Können Sie sich noch an das erste Stück erinnern, das Sie designt haben?

Klar, und lustigerweise wird dieses Möbelstück noch heute weltweit sehr erfolgreich verkauft. Während meines Studiums am Art Center College im kalifornischen Pasadena besuchte ich ein Seminar, das von "Bernhardt Design" gefördert wurde. Am Ende des Semesters wählte die Firma ein Möbelstück aus, dass in die Produktion aufgenommen wurde – und das war der von mir entworfene Bürotisch.


Ist der Prototyp noch in Ihrem Besitz?


Nein, den nahm die Firma für die Produktion. Aber die Beine des Tisches habe ich von Hand geformt und die Originale aufgehoben.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Das ist für einen Designer immer eine schwierige Frage, die sollen besser andere beantworten. Wenn ich designe, denke ich nicht daran, einem bestimmten Stil zu folgen. Was für mich aber gilt, ist auf jeden Fall die Aussage "beauty is a function". Zudem sind meine Stücke sehr minimalistisch, was auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennbar ist. Jedes meiner Stücke ist so designt, dass es sich auf das Essentielle beschränkt.

Haben Sie Vorbilder?

Ich habe sehr viele ganz verschiedene Vorbilder, von denen ich mich in unterschiedlichen Bereichen inspirieren lasse. Meine drei liebsten Architekten etwa sind Tadao Andō, Frank Lloyd Wright und Antoni Gaudí. Tadao Andō zeigt in seinen Arbeiten eben jene Beschränkung auf das Essentielle, während mich Frank Lloyd Wright mit seinem holistischen Design inspiriert, bei ihm fügt sich alles ineinander. Und Antoni Gaudí liebe ich für seinen puren Expressionismus.

Sie haben mal gesagt, dass auch "Alice im Wunderland" Sie inspiriert. Wie kam es dazu?

Ich habe, schon seit ich denken kann, eine Schwäche für Fantasy-Bücher. Eine Welt, in der alle Dinge möglich sind, die wir uns nur vorstellen können, ist für mich ein wunderbarer Ort. Für die "Secret Garden Collection" habe ich mich von meinen liebsten Fantasy-Büchern inspirieren lassen: Alice im Wunderland, aber auch Bücher von C.S. Lewis. Auch heute noch lese ich meistens Fantasy-Bücher, vielleicht bin ich einfach nie erwachsen geworden.

Für wen designen Sie?


Mein Ziel ist es, für jeden zu designen. Natürlich ist mir bewusst, dass sich nicht jeder meine Designs auch leisten kann. Aber ich möchte, dass möglichst viele Leute von meinen Möbelstücken inspiriert werden und nicht nur die, die sie auch nutzen.


Worauf sollte man beim Einrichten achten?


Ich halte viel davon, das Zuhause zu einem persönlichen Tempel zu verwandeln. Für mich bedeutet das, sich mit Dingen zu umgeben, an denen man sich erfreut – das können besondere Möbelstücke, Kunst oder eine besondere Beleuchtung sein.

Was sehen Sie als einen kommenden Trend?

Von Trends habe ich überhaupt keine Ahnung, ich beachte sie nicht. Vielleicht sollte ich das einmal tun…

Welches ist Ihr liebster Ort in Ihrem Zuhause?


Mein Arbeitszimmer. Dort beginnen und enden meine Projekte, dort kann ich alles Alltägliche völlig ausblenden. Kreativität und Musik sind die treibende Kraft in meinem Leben. In meinem Büro habe ich auch meine Plattensammlung, ich besitze fast 1.200 Platten. Für jede meiner Arbeiten gibt es eine eigene Playlist, bisher habe ich allerdings keine nach Abschluss eines Projekts nochmal angehört.


Was ist Ihr nächstes Projekt?


Viel kann ich noch nicht verraten, aber ich werde eine Kollektion für Sé Collections entwerfen. Sie wird von meinen Arbeiten die sein, in der sich am meisten um "Zuhause" dreht.

Mehr über Ini Archibong unter www.designbyini.com

Interview: Laura Lepple

26.10.2017