Bauhaus-Geschichte: Von der Weimarer Kunstschule zu Weltruhm

2019 ist großes Bauhaus-Jubiläum. Der 100. Geburtstag der Kunstschule wird mit großen Ausstellungen und vielen Veranstaltungen gefeiert. In der aktuellen DC HOMES stellen wir Ihnen fünf Bauhaus-Hotels für einen Jubiläumstrip vor - und erzählen hier, wie das Bauhaus wurde, was es ist

Das Bauhaus, Urzelle der modernen Architektur, ist jedem ein Begriff, obwohl es den eigentlichen "Bauhaus-Stil" als solchen gar nicht gibt. Landläufig versteht man darunter Schlichtheit, klare und einfache Körper, die sich aus den geometrischen Grundformen des Rechtecks, Kreises und Quaders zusammensetzen: weiß verputzte Gebäudekuben, Flachdach, große, schwarze Fenster oder Flächen in Grundfarben. Angelehnt an die Ideen des Architekten und Designers Le Corbusier, für den die reine Funktionalität der Maschine Vorbild für die Gebäudegestaltung war. Die wenigsten wissen, dass das Bauhaus als kleine Hochschule für Gestaltung begann und dennoch innerhalb kürzester Zeit eine ganze Epoche prägte.

Das Bauhaus - eine Experimentierwerkstatt

Am 21. April 1919 gründete der Berliner Architekt Walter Gropius (1883-1969) das "Staatliche Bauhaus in Weimar" mit einer klarer Intention, die er in einem Manifest verkündete: "Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeiten ist der Bau!" Architekten, Künstler und Handwerker sollten wie in einer mittelalterlichen Bauhütte gemeinsam arbeiten und dadurch ein Gesamtkunstwerk den Bau der Zukunft schaffen. Nicht Professoren wie an traditionellen Kunstakademien sondern "Meister" leiteten die Ausbildung; "Meister der Form", also Künstler, und "Meister des Handwerks". Eine innovative Idee, Ästhetik und Funktion dermaßen zu verbinden. Damit sollte laut Gropius, die "hochmütige Mauer zwischen Handwerkern und Künstlern fallen". Die Schüler konnten im Vorkurs ihre eigenen schöpferischen Möglichkeiten mit Materialien, Farben und Formen erproben und mussten sich erst danach für eine bestimmte Richtung entscheiden. Es gab Werkstätten für Glas, Keramik, Metall, Textil, Tischlerei, Wandmalerei, Holz- und Steinbildhauerei, Buchbinderei, grafische Druckerei, später weitere für Reklame und Fotografie. Nebenbei wurde an diversen Bauprojekten des Bauhauses gearbeitet, erst im Architekturbüro von Gropius, ab 1927 in der neu eingerichteten Architekturklasse.

International angesehenes Künstlerkollektiv

Die Sogwirkung der Schule war groß. Gropius rief - und die Meister kamen. Namhafte Künstler wie Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Marianne Brandt, Wilhelm Wagenfeld, Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe, Persönlichkeiten, die schon damals zur absoluten Weltspitze gehörten. Trotz unterschiedlicher Stile herrschte reger kreativer Austausch zwischen Lehrern und Schülern, vereint in ihrem Idealismus und dem Streben nach dem Gesamtkunstwerk. Mit Weltoffenheit und internationaler künstlerische Vielfalt wurde die Ideenschmiede schnell zum Treffpunkt der europäischen Avantgarde. Angemeldet hatten sich im ersten Jahr 150 Schüler (fast die Hälfte Frauen), insgesamt wurden 1250 junge Leute aus 29 Ländern unterrichtet.

Kurswechsel zum Funktionalismus

1923, nach der expressionistischen Phase, wurde von Gropius ein entscheidender Kurswechsel eingeleitet - weg von der Romantik, hin zur Industrie, um funktionale und preiswerte Prototypen für breite Bevölkerungskreise zu entwerfen. Das eigentliche Bauhaus, wie man es später kannte, wurde geschaffen. Und damit präsentierte es sich in einer Leistungsschau, für die nicht nur das Direktorenzimmer von Walter Gropius, sondern auch das "Musterhaus am Horn" entstanden (s. Fotostrecke). ​

Umzug nach Dessau und Berlin

1925 musste das Bauhaus Weimar bedingt durch politische Umstände verlassen. Die Schule zog in die Industriestadt Dessau, wo sie unter ihrem offiziellen Namen "Bauhaus - Hochschule für Gestaltung" ihre Blütezeit erlebte. Nahezu alle Bauhausbauten in Dessau zählen heute zu den Ikonen der Architektur des 20. Jahrhunderts. Das von Gropius entworfene Bauhaus-Gebäude mit der markanten Glasvorhangfassade am Werkstättentrakt wurde international als Vorbild eines modernen Zweckbaus gefeiert. 1928 trat Gropius als Direktor zurück, verließ das Bauhaus und ging als freier Architekt erst  nach Berlin, später dann in die USA. Immer mit im Gepäck hatte er das Bauhaus, das er als sein geistiges Eigentum betrachtete und das immer mit seinem Namen assoziiert bleiben wird. 

Verantwortlich für die weiteren Jahre in Dessau wurde der Architekt Hannes Meyer, der mit seinem Leitsatz "Volksbedarf statt Luxusbedarf" den sozialen Anspruch in den Fokus rückte, (s. Laubenganghäuser in der Fotostrecke). Letzter Direktor wurde 1930 Ludwig Mies van der Rohe, der höchste ästhetische und konstruktive Qualität anstrebte und seinen Fokus auf Architektur legte. Man sprach in seiner Ära wieder von Baukunst - ein Begriff, der bei seinem Vorgänger verpönt war. Mies van der Rohe ("Weniger ist mehr!") erreichte 1929 Weltruhm mit dem Deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Barcelona. Er versuchte das Bauhaus nach dessen Schließung in Dessau in Berlin als Privatinstitut weiterzuführen, doch mit der Machtergreifung Hitlers 1933 wurde die Schule sofort aufgelöst.

Bauhaus wird zu einer Legende

Viele Bauhäusler wurden durch die Unterdrückungspolitik der Nationalsozialisten ins Exil nach Frankreich, Großbritannien, in die Schweiz oder die USA getrieben und gründeten dort eigene Schulen, an denen sie weiter Bauhaus oder "International Style" lehrten - die Klarheit der Form. Trotz Kritik und Gegenbewegungen konnten sich so die gestalterischen Prinzipien des Bauhauses durchsetzen, die Architekten, Designer und Künstler bis heute beeinflussen. Das Bauhaus steht immer noch für die perfekte Verschmelzung von Form und Funktion, von Kreativität und Rationalität, und hat sich durch sein Nachleben, fast mehr als in den 14 Jahren seines Bestehens, einen prominenten Platz in der Architektur- und Kunstgeschichte gesichert.

24.10.2018