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Tapeten: Schöne Ideen für die Wand

Tapeten - spießig und verstaubt? Von wegen. Die Tapete ist wieder im Kommen und so angesagt wie nie zuvor. Der Markt ist dementsprechend riesengroß. Also gilt es überhaupt erst einmal herauszufinden, welche Tapete die richtige ist. Unser Tapeten-Guide bietet jede Menge Tipps und Inspiration. 

Welche Tapete passt zu mir?

Mit dieser Frage wird Britta Schröer täglich konfrontiert, wenn Kunden in den Laden "Farrow & Ball" in Hamburg kommen. "Raumgestaltung ist Spiegel der Persönlichkeit", sagt die Geschäftsführerin, "wir unterscheiden zwischen zwei Typen Menschen - organisch oder linear. Konkret bedeutet das: Was gefällt mir besser, organische oder graphische Muster? Dazu kommt, so Schröer, natürlich die Frage zur Zielsetzung. Was möchte ich im Raum erreichen? Soll die Tapete einen ruhigen und verbindenden Hintergrund zur Wohnungseinrichtung bilden? Gliedern oder abgrenzen? Möchte ich einzelne Flächen oder Wände hervorheben? Und natürlich muss die Tapete zu Interieur, Fußboden- und Fußleistenfarbe passen.

Kleine Hilfestellung: Psychologische Effekte bestimmter Tapetenmuster - so können Sie Proportionen ändern

  • vertikale Muster lassen einen Raum höher wirken
  • horizontale Streifen lassen hohe Räume niedriger wirken
  • kleinteilig gemusterte oder einfarbige Tapeten vergrößern ein Zimmer, ebenso die Kombination aus hellen Wänden und Tapete an der Decke
  • großformatige Tapetenmuster und kräftige Farben lassen den Raum kleiner wirken
  • warme Farbtöne und Muster verleihen kühlen Räumen Gemütlichkeit
  • eine einzelne Wand wirkt größer, wenn sie gröber gemustert ist als die Seitenwände
  • Nischen, Erker und Gauben wirken mit hellen Tapeten größer
  • große Flure und Treppen bieten sich für intensivere Farben und Muster an - hier können sie ihre Wirkung voll und ganz entfalten, ohne mit anderen Einrichtungsgegenständen in Konkurrenz zu treten
  • für Wände, die wenig Tageslicht erhalten, sind hellere Tapeten besser geeignet, sie sorgen für eine gleichmäßigere Verteilung von Licht und Schatten im Raum

 

Ideen für die Wand

Tapeten schaffen es, den gesamten Charakter eines Raumes mit neuen Mustern, Farbkombinationen oder Prägungen zu verändern. Fakt ist aber auch: Tapeten sind wertvoller Wandschmuck, Tapeten sind Luxus. Angesichts der Kosten für Tapete und Tapezierarbeiten stellt sich also die Frage: Warum immer gleich die ganze Wand tapezieren? Auch bahnenweise sorgen Tapeten für Farbe und Lebendigkeit.

Tapeten als kreatives Betthaupt: Wie wäre es mit einer Tapete für die Wand hinter dem Bett? Am besten nur so breit angebracht, wie das Bett tatsächlich ist, dafür aber bis unter die Decke, um die Höhe des Raumes zu betonen. Schon hat man eine Insel der Gemütlichkeit.

Trennwand beidseitig tapezieren: Mit Tapeten, die die Farbe der Wände und der jeweiligen Einrichtung aufgreifen, wird die Trennwand zu einem doppelseitigen, dekorativen Element.

Tapeten an der Decke: Warum nicht auch mal die Decke tapezieren? Einem schlicht möblierten Raum kann man mit einer gewagten Mustertapete an der Decke Glamour verleihen, ohne dass der Raum überladen wirkt.

Nur eine Tapetenbahn als Akzent: Auch das kann schon ein toller Blickfang sein und Ambiente schaffen. Wer in einer Mietwohnung lebt oder sich nicht festlegen möchte, kann die Tapete auch auf eine große Sperrholzplatte aufziehen und lässig an die Wand lehnen.

Tapeten als bunte Regalrückwand: Der perfekte Ort, um eine Tapete nur partiell anzuwenden. Wenn die Regalbretter genau mit der Breite und Höhe des Tapetenzuschnitts abschließen, entsteht eine optische Einheit und ein persönlich gestaltetes Designobjekt.

Tapeten oberhalb von Wandverkleidungen: Wenn die Wand mit Wandvertäfelungen bereits zu Teilen verkleidet ist, kann man mit einer Mustertapete dem Rest der Decke unkonventionellen Charme verleihen.

Nur das untere Wanddrittel tapezieren: Als gewisses Etwas fürs Kinderzimmer Tapetenbahnen einfach quer unten auf der Wand und ringsherum anbringen.

Welche Tapetenarten gibt es?

Die klassische Papiertapete besteht meist aus einer oder zwei Papierschichten. Darauf werden je nach Art andere Materialien geklebt – hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Die Vinyltapete wird mit PVC beschichtet. Naturwerkstofftapeten haben eine lebhafte Oberfläche aus Gras, Bambus, Blättern, Kork, Sand und vielem mehr. Metalltapeten (laut "Farrow & Ball"-Geschäftsführerin Britta Schröer gerade sehr angesagt) verbreiten mit besonderen Lichtreflexen einen Hauch von Luxus. 

Wer wärme- oder schalldämpfende Tapeten sucht, ist mit einer Textiltapete gut beraten, beispielsweise aus Wolle, Seide oder Leinen. Die Keramiktapete ist aufgrund ihrer keramischen Natur kratz- und schlagfest, chemikalienbeständig und stabil gegen UV-Strahlung, trotzdem biegsam, leicht, wasserabweisend und atmungsaktiv. Außerdem zeigt sich im Vergleich zu herkömmlichen Tapeten eine besondere Brandwidrigkeit keramischer Oberflächen - eine Keramik-Tapete würde nur glühen. Eine andere schicke Idee und absoluter Hingucker für Feucht-Räume: eine Natursteintapete aus Schiefer. Sie liegt mit ihrem dunklen Grauton voll im Trend. Findet man Parkett-Optik oder warme Terrakotta-Fliesen auch an Wänden gemütlich, so gilt auch hier - alles ist möglich. Wer noch innovativer sein möchte, entscheidet sich für 3-D-Wandbekleidung – durch Thermoforming entsteht ein deutliches Relief, während der Stoff geschmeidig bleibt. Lassen Sie sich vom Fachhandel inspirieren!

Der Unterschied zwischen Papier- und Vliestapete liegt einzig im Trägermaterial. Bei einer Vliestapete handelt es sich um eine Mischung aus Zellulose und Textilfasern. Diese Basis kann wie bei Papiertapeten bedruckt, geprägt oder mit anderen Materialien beschichtet werden. Der Vorteil einer Vliestapete: Sie ist einfach in der Anwendung. Der Kleister kommt direkt an die Wand, die Tapete einfach drauf. Eine Vliestapete lässt sich bahnenweise wieder abnehmen und kaschiert kleine Mängel an der Wand. Laut Tapetenexpertin Ulrike Reich vom Deutschen Tapeten-Institut werden in Deutschland zu 70 Prozent Vliestapeten verkauft. Trotzdem würden sich nach wie vor Leute für hochpreisige Tapeten aus Papier entscheiden, sagt Reich, da sie es als das "ehrlichere" Material empfinden.

Haute Couture für die Wand

Neben Gucci, Versace und Hermès (derzeit 46 unterschiedliche Designs, auch für Kinderzimmer) sind aktuell Tapeten dieser hochwertigen Marken besonders angesagt:  

  • Arte International
  • Pierre Frey
  • Élitis
  • Cole & Son
  • Phillip Jeffries
  • Colefax & Fowler
  • Farrow & Ball
  • De Gournay

Interior-Designerin Francisca Schepers (Studio Piergianni, Hamburg): "Wer das Beste, Extravaganteste und, und, und... sucht, also diejenigen, die nicht wirklich auf den Preis achten müssen, dem sei De Gournay empfohlen. Hier nennt man Tapeten nicht Tapeten, sondern "Kunststücke", die auf Maß skaliert werden. An Exklusivität ist das nicht zu toppen."

Kleben oder kleben lassen? Ein kleiner Do-it-yourself Guide für alle, die selbst Hand anlegen wollen

  • Werkzeug vorbereiten: Man benötigt Malerrollen, Spachtel, Tapezierschere, Cutter und/oder Tapeten-Abreißer, Zollstock, Wasserwaage, Kleister, Eimer mit Rührholz, Quast und Kleisterbürste. Alle Arbeitsgeräte sollten sauber und intakt sein.
  • Kleister nach Herstellerangaben mit Wasser in einem Eimer anrühren. Die angrenzende Decke und den Boden sorgfältig mit Kreppband und Folie abkleben.
  • Tapeten ausrichten: Die erste Bahn mittels Wasserwaage senkrecht anzeichnen, damit auch die folgenden Bahnen gerade verlaufen.
  • Tapete zuschneiden - Wandhöhe ausmessen und das Maß plus 5-10 Zentimeter Überstand auf die Tapetenrolle übertragen, um evtl. vorhandene Höhenunterschiede ausgleichen zu können. Bei Mustertapeten unbedingt die Rapportangaben, also die Musterübereinstimmung, beachten, dafür die Tapeten Stoß auf Stoß legen. 
    Tipp: Beim versetzten Halbansatz sind die erste und dritte Bahn sowie die zweite und vierte Bahn identisch. Dazwischen gibt es eine Musterverschiebung um eine halbe Rapporthöhe.
  • Tapete gleichmäßig einkleistern (auch die Ränder!) und einweichen lassen, für optimale Durchfeuchtung unbedingt die auf dem Etikett angegebene Weichzeit einhalten.
  • Jetzt kann es losgehen mit dem Tapezieren: Zugeschnittene erste Bahn mit Überstand zur Decke anlegen und von innen nach außen mit einer Tapezierbürste blasenfrei feststreichen. In den Ecken die Tapete mit einem weichen Spachtel fixieren. Die Überstände an Decke und Boden mit einem Cutter abtrennen, ausgetretenen Kleister mit einem nassen Schwamm entfernen. Fertig!

Tipps für den Tapetenkauf

Jede Tapete hat bestimmte Eigenschaften, deshalb immer die Symbole auf Einleger/Etikett beachten und berücksichtigen, welchen Belastungen die Tapete ausgesetzt ist. In einem Raum mit großen Fenstern und starker Sonneneinstrahlung ist hohe Licht- und Farbbeständigkeit wichtig. Für Feucht-Räume hingegen Hochwaschbeständigkeit, in Fluren und Treppenhäusern Scheuerbeständigkeit. Achten Sie außerdem auf den Rapport, die Verarbeitungshinweise und die Fabrikationsnummer. Bei gleicher Nummer stammen die Rollen aus der gleichen Charge. Damit ist gewährleistet, dass alle Tapetenrollen auch perfekt zueinanderpassen und es nicht zu Farbabweichungen kommt. Die Größe des Rapports und deren Versatz bestimmen den Verschnitt beim Tapezieren. Hat eine Tapete ein sehr großes Muster, steigt der Verschnitt und somit die benötigte Rollenmenge. 
Jedes Tapetensymbol auf dem Etikett hat eine fest definierte, europaweit gültige Bedeutung. Kaufen Sie außerdem eine Reserverolle, da der Verschnitt nur geschätzt werden kann. Die Standardrolle ist 53 Zentimeter breit und 10,05 Meter lang. Abweichende Größen sind aber möglich.

11.09.2019 Artikel-ID: 88036