Peter Bellerby: Der Mann, der Welten erschafft

Wer ein ganz besonderes Accessoire im Ethno-Stil haben möchte, ist bei Peter Bellerby richtig. Der Engländer fertigt Globen in Handarbeit. 

Peter Bellerby
Peter Bellerby (Foto Allun Callender)

Der Ethno-Stil verkörpert Weltoffenheit und Internationalität, die Sehnsucht nach Ferne und den Wunsch nach Freiheit. Kaum ein Wohnaccessoire drückt diese Gefühle so gut aus wie ein Globus: fragil und mächtig zugleich. Dass es jedoch auf dem Markt unzählige Modelle gibt, die weder hochwertig noch detailgetreu sind, hat auch Peter Bellerby gemerkt, als er seinem Vater einen Globus schenken wollte. Aus einem Problem entwickelte er ein Business: Seit 2007 erschafft der Engländer nun in feinster Handarbeit und mit viel Leidenschaft für jedes Detail kostbare Globen ganz individuell nach Kundenwünschen.

Was macht Ihre Globen so einzigartig?

Wir sind so ziemlich das einzige Kunststudio, das moderne Globen noch in Handarbeit herstellt und bemalt – und das mit unseren eigenen Designs. Lange Zeit hat man auf dem Markt nur antike, sehr fragile Globen, Imitate oder schlecht gefertigte Plastik-Globen gefunden, bei denen teilweise ganze Länder weggelassen wurden – also wirklich schlechte Arbeit. Globen waren einfach eine Zeit lang nicht besonders angesagt und das Handwerk der Herstellung wurde lange nicht mehr praktiziert. Ich habe es mir selber beigebracht, es hat fast zwei Jahre gedauert, in denen ich immer wieder rumprobiert habe. Im ersten Jahr war ich mir nicht mal sicher, ob ich überhaupt jemals ein gutes Endprodukt hinbekomme. Durch diesen Prozess fühlt sich meine Arbeit jetzt sehr einzigartig und besonders an und ich bin stolz, hier in Großbritannien so ein Qualitätsprodukt fertigen zu können.

Wie genau funktioniert eigentlich die Herstellung eines Globus?

Globus
Jeder Globus wird per Hand bemalt (Foto Tom Bunning)

Wir arbeiten immer nur an wenigen Globen gleichzeitig, jeder braucht seine Zeit zum Trocknen und Ruhen. Für den kleinsten Globus benötigen wir insgesamt ein paar Wochen, der größte (der 127cm Churchill) nimmt sechs Monate Zeit von der Bestellung bis zur Lieferung in Anspruch.

Als erstes muss man die perfekte Form hinbekommen, indem man zwei Halbkugeln zusammensetzt, dann muss man sie ausbalancieren, damit die Kugel, wenn man sie später dreht, perfekt rotiert.

 Als nächstes muss die Landkarte erstellt werden, die wir regelmäßig anpassen oder auch nach Kundenwünschen gestalten. Wir beschäftigen inzwischen sogar eine Vollzeit-Kartographin.

Wenn die Landkarte fertig ist, wird sie ausgedruckt und per Hand zugeschnitten. Sie wird dann – ebenfalls per Hand – mit Wasserfarben bemalt, wodurch für jeden Globus ein individuelles Design entsteht. Wenn sie getrocknet ist, kann sie auf den Globus aufgetragen werden. Dieser Part ist sehr schwierig, weil das Papier nass sein muss, um richtig auf die Form angepasst zu werden. Und Sie können sich vorstellen, wie leicht nasses Papier reißen kann.

Nachdem die einzelnen Teile aufgetragen sind, werden noch viele weitere Schichten Farbe aufgetragen und die Kontinente und Meere schattiert. Dann bekommt der Globus entweder ein glänzendes oder mattes Finish.

Anschließend bekommt der Globus seinen Fuß, auf dem er ruht – wir stellen verschiedene her, von modernen bis zu traditionellen Designs. Wir haben ein extra kleines Team von Holzarbeitern, die sich um die Basis für das kleine Kunstwerk kümmern.  

Werkstatt mit Globen
Kein Globus gleicht dem anderen - das schätzen die Kunden von Peter Bellerby (Foto Julian Love)

Globen üben eine gewisse Faszination auf die Menschen auf – was glauben Sie, warum das so ist?

Für uns liegt die Faszination vor allem darin, dass wir mit unseren Globen etwas Einzigartiges erschaffen, ein Modell nur nach Kundenwünschen mit vielen Details, hergestellt mit Hingabe. Es ist eine Gegenbewegung zu den modernen Technologien und wir spüren, dass viele Menschen einen Kontrast zu Smartphone, Tablet und Co. wünschen. Zurück zu den Dingen, wie sie einmal waren.

Ich habe das Gefühl, dass die Menschen sich wieder von der Wegwerf-Gesellschaft, in der man zwar alles schnell bekommt, aber nichts mehr lange hält, wegentwickeln. Unsere Kunden schätzen, dass sie bei uns etwas erwerben, woran sie sich auch in 50 Jahren noch erfreuen können.

Generell lieben die Menschen Globen, weil sie uns unseren Platz auf diesem Planeten aufzeigen. Sie erinnern uns daran, in was für einer großen Welt wir leben und wo wir trotz dieser unfassbaren Dimensionen hingehören. Unsere Welt ist ein fragiler Ort – und es ist ein großer Unterschied, ob wir uns immer nur Orte auf Google Earth anschauen oder ob wir – auf einem Globus – das große Ganze betrachten können.

Globen inspirieren außerdem zu Reisen, dazu, sich mit anderen Kulturen und Menschen zu verbinden und über seine eigene kleine Welt hinaus zu denken. Globen inspirieren unsere Wanderlust.

Mehr über Peter Bellerby und seine Globen unter: www.bellerbyandco.com

28.03.2017