Wissen Sie, wo der größte Wohnblock der Welt steht?

Das 1953 erbaute Copan-Gebäude von Oscar Niemeyer im Zentrum von São Paulo ist das größte Bauwerk Brasiliens – und hat die größte Grundfläche aller Wohngebäude der Welt

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Das Copan-Gebäude kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken - mit lauter Höhen und Tiefen

Das Copan Building in São Paulo, ein massives Gebäude in einer der größten Städte der Welt, hat eine unverwechselbare Präsenz. Seine gewundene Form und die markanten Betonrippen verleihen ihm einen Charakter, wie er in der modernen Architektur selten zu finden ist. Das Gebäude beherbergt rund 5.000 Einwohner in den 1.160 Wohnungen, die von kubischen Studios bis hin zu ausgedehnten Penthouses reichen. Mit 72 Geschäften und Restaurants im Erdgeschoss erhielt es eine eigene Postleitzahl und wurde zum größten Wohnhaus Lateinamerikas erklärt - eine Stadt innerhalb einer Stadt. Der Architekt Oscar Niemeyer entwarf das Copan als eines seiner kleineren Projekte. 

Entworfen wurde das Gebäude 1951 für das damals boomende Stadtzentrum. Es sollte, wie das New York Rockefeller Centre, ein Modell für urbanes Leben mit hoher Dichte sein, das Geschäfte und Restaurants, ein Hotel und Unterhaltungseinrichtungen umfasst. Das Projekt umfasst ein 32-stöckiges Mehrfamilienhaus, Büros in den unteren Stockwerken, eine Ladenpassage sowie ein Kino. Das Hotel verschwand und wurde später durch ein von einem anderen Architekten entworfenes Bürogebäude ersetzt. Es dient jedoch dazu, die Doppelkurve des Copans zu verdunkeln.

Der Werdegang des Copan-Gebäudes

Viel hat nicht gefehlt, und die hochfliegenden Pläne wären als Ruine geendet. Nach dem Baubeginn 1953 verzögerte sich die Fertigstellung des Kolosses immer wieder. Die Companhia Pan-Americana verhob sich mit dem Großprojekt und ging pleite. Mit dem Niedergang der brasilianischen Wirtschaft verkam das Zentrum São Paulos und mit ihm das Copan. In den Gängen wurden Drogen verkauft und Überfälle verübt, Wohnungen zu Bordellen umfunktioniert und Treppenhäuser zu Müllhalden. Erst die rigide Politik einer neuen Hausverwaltung zu Beginn der neunziger Jahre stoppte den Verfall. Vermehrte Polizeipräsenz und ein hauseigener Sicherheitsdienst, der das Innere des Gebäudes mit 128 Kameras überwacht, machten aus der Betonwelle wieder einen ruhigen Ort - und das Spiegelbild der Gesellschaft, als das Copan ursprünglich erdacht worden war. Die Wohnungen sind heute gefragter denn je, von Bürgern aus allen sozialen Schichten.

11.02.2019