Nachbarschaftsstreit – wie Sie Konflikte lösen können

Trautes Heim, Glück allein? Von wegen! Die häufigsten Gründe für Nachbarschaftsstreit und was der Gesetzgeber dazu sagt 

Der Nachbar hört ständig laute Musik, die Bäume verschatten das eigene Grundstück und der Streit eskaliert. Ärger mit den Nachbarn gehört zu den unangenehmsten Alltagskonflikten. Wer seine Rechte kennt, kann viele Konflikte aber auch ohne allzu großen Aufwand lösen.

Rasenmäher, laute Partys und Kinderlärm 

Nachbarn
Immer diese Nachbarn!

Lärm ist die häufigste Ursache für Nachbarschaftsstreit. 40 bis 60 Prozent der Deutschen fühlen sich dadurch je nach Umfrage belästigt. Immerhin gibt es beim Lärmschutz einige klare Regeln. So dauert die Nachtruhe grundsätzlich von 22 bis 6 Uhr. Die meist zweistündige Mittagsruhe gilt je nach Stadt und Gemeinde zwischen 13 und 15 Uhr. Klar geregelt ist auch der Gebrauch von Rasenmähern oder Laubbläsern, deren Benutzung an Sonn- und Feiertagen grundsätzlich verboten ist. Werktags ist etwa das Rasenmähen in Wohngebieten bis 20 Uhr zulässig.

Abhilfe: Das Ordnungsamt überwacht die Einhaltung der Ruhezeiten. Bei Streit – wenn etwa der Nachbar trotz Ermahnung die Musik nach 22 Uhr nicht leiser stellt – kann man die Polizei rufen. Bei ständiger Ruhestörung durch den Nachbarn können Mieter alternativ auch den Vermieter unter der Androhung einer Mietminderung auffordern, für Ruhe zu sorgen.

Streitfälle: Oft umstritten ist tagsüber der Lärm durch "Hausmusik". Meist erlauben die Gerichte dabei eine begrenzte Zahl von Stunden, in denen geübt werden darf. Bei Kinderlärm haben Betroffene vor Gerichten oft wenig Chancen, insbesondere wenn der Nachwuchs noch kleiner ist.

Ärger rund um Nachbars Garten

Der Baum des Nachbarn verschattet das Grundstück, Äste wachsen über den Zaun und Laub fällt auf den eigenen Rasen. Bei Streitfällen rund um Nachbars Garten haben Sie folgende Möglichkeiten: Wenn eine "nicht unwesentliche" Beeinträchtigung des Grundstücks vorliegt, muss der Nachbar etwa herüberwachsende Äste entfernen. Sie sollten ihm eine Frist zum Rückschnitt setzen. Erst wenn diese verstrichen ist, darf man die Äste auch auf eigene Faust absägen.

Wenig Chancen haben Eigentümer, die sich über hohe Bäume beim Nachbarn und deren Schatten ärgern. Solange der Baum in ausreichendem Abstand zur Grenze steht, besteht keine Handhabe (BGH, Az.: V ZR 229/14). Die Pflanzabstände sind im Nachbarrecht der Länder geregelt.

Auch gegen das Laub von Nachbars Bäumen ist wenig auszurichten, solange das Grundstück nicht außergewöhnlich beeinträchtigt wird und der Pflanzabstand eingehalten wurde. Lediglich in Ausnahmefällen gestehen die Gerichte eine Entschädigung für den Extraaufwand zu (BGH, Az. V ZR 102/03).

Grillen und Geruchsbelästigungen

Der Nachbar grillt und vernebelt mit Rauchschwaden das eigene Grundstück oder die Wohnung. Auch bei solchen Streitfällen muss eine wesentliche Beeinträchtigung durch Dämpfe oder Rauch vorliegen, um dagegen vorgehen zu können. Viele Gerichte halten es für unzumutbar, dass dicke Rauchschwaden in die eigene Wohnung ziehen. Grundsätzlich ist gelegentliches Grillen auf dem Balkon aber erlaubt (LG Stuttgart, Az.: 10 T 359/96). Es sei denn, der Vermieter hat das Grillen per Hausordnung auf dem Balkon verboten.

Streit außergerichtlich schlichten

Für Streit mit dem Nachbarn schreiben die meisten Bundesländer zunächst ein außergerichtliches Schlichtungsverfahren zwingend vor. Informationen dazu gibt es beim Amtsgericht oder der kommunalen Verwaltung. Ziel der Schlichtung ist eine Einigung, wobei der geschlossene Vergleich ebenso vollstreckbar ist wie ein Urteil. Die Kosten der Schlichtung liegen in der Regel unter 100 Euro. Erst nach einem gescheiterten Schlichtungsversuch ist der Klageweg frei.

05.07.2017