Kaschmir – der Stoff, den alle lieben

In Kaschmir kann man sich selbst einkuscheln – oder mit dem edlen Stoff die Wohnung kuschliger machen. Und vielleicht ist bei unseren Kaschmirkostbarkeiten ja ein Geschenk für Ihre Lieben dabei.

Kuscheliges für zu Hause: Kissen, Decke und Wärmflaschenbezug aus 100 % Kaschmir im Kreuzstrick vom Münchener Label Allude

Schmeichelweiche Schals oder Cardigans aus Kaschmir liegen im Trend – gerade, wenn die Tage kühler werden. Denn die Stücke sind nicht nur edel, sie wärmen auch um ein Vielfaches besser als Strick aus Schafwolle. Kein Wunder, schließlich stammen die Edelfasern aus dem Winterfell der Kaschmirziege: Es schützt die robusten Tiere in Höhen von bis zu 4.000 Metern bei oftmals minus 40 Grad Celsius vor dem Erfrieren. Im wärmeren Frühjahr, wenn die Ziegen ihren normalen Fellwechsel haben, kämmen die Züchter – bevor die weichen Winterhaare auf natürliche Weise ausfallen – diese mit einem stabilen Kamm heraus. Die beste Wolle befindet sich am Bauch – wobei die wertvollen Unterhaare, Duvet genannt, vom ganzen Ziegenkörper gewonnen werden“, erklärt Faserexperte Dr. Kim-Hô Phan.

Kaschmir ist nicht gleich Kaschmir

Bis aus dem Rohkaschmir feine Kleidung werden kann, muss die Wollwolke noch aufwendige Sortier- und Reinigungsprozesse durchlaufen. Letztendlich bringt eine Ziege etwa 150 bis 250 Gramm hochwertiges Kaschmir – gerade genug für einen Pullover. Verständlich, dass die Produkte meist recht teuer sind. Bei exklusiven Designern kostet ein Rolli aus 100 Prozent Kaschmir leicht über 800 Euro. Und dann werden in Warenhäusern Kaschmircardigans für 80 Euro angeboten – ist das mindere Qualität? "Das kann man nicht so einfach sagen. Große Ketten können günstiger einkaufen", antwortet Dr. Kim-Hô Phan, der 30 Jahre für ein privates Woll-Prüfinstitut gearbeitet hat und seit 2013 ein eigenes Analyselabor betreibt. "Aber unter 80 Euro sollte ein Kaschmirteil nicht kosten – da ist meist die Wertigkeitsgrenze erreicht." 

Kuschlige (Wohn)Begleiter aus Kaschmir:


Zu den Qualitätskriterien gehört: je feiner, länger und heller die Faser, desto teurer. "Zurzeit liegt der Marktpreis für ein Kilo Kaschmir guter Qualität bei rund 95 Euro. Der Kunde aber kann die tatsächliche Güte nicht erkennen, Faserfälschungen erst recht nicht.“ Das gelingt nur Experten mit Erfahrung und Elektronenmikroskop. "Kaschmir ist nicht gleich Kaschmir. Die Qualität hängt unter anderem von der Ziegenrasse ab", so Dr. Kim-Hô Phan. "Manche liefern eher kurze Fasern, die fördern die Knötchenbildung, unschönes Pilling."

Wo kommt der beste Kaschmir her? 

"Das beste Kaschmir kommt aus China und der Mongolei – sie liefern etwa 80 Prozent der Gesamtproduktion von zirka 8.000 Tonnen“, weiß Dr. Kim-Hô Phan. Der Wunsch nach Kaschmir für Jedermann lässt die Zahl der Ziegen hochschnellen. "2009 waren es noch 44, heutzutage etwa 80 Millionen weltweit." Aber: "Durch große Herden abgegraste Weiden drohen zu versteppen“, warnt Designerin Saruul Fischer. Mit ihrem Label Edelziege setzt sie auf eine nachhaltige Wollernte und faire Produktion ihrer Kleidungsstücke – in der Mongolei. Dort kennt sie sich aus, denn sie ist in der Hauptstadt Ulan Bator geboren, sie lebt in Deutschland, seit sie zehn ist. Zweimal im Jahr fährt sie in ihre Heimat, prüft die Herstellungsstätten. "Ich achte auf Qualität – denn dann bleibt ein Kaschmirschal ewig edel."

Text: Heidrun Bobet

26.10.2017