Ich habe eine Immobilie geerbt - was muss ich tun?

Jede zweite Erbschaft umfasst auch eine Immobilie. Doch was muss man dabei beachten - und sollte der Nachlass überhaupt angenommen werden?

Eine Erbschaft kurz nach Ableben eines vertrauten Menschen kann schnell überfordern. Häufig verliert man auch den Überblick über die Gesamtsituation, da zig Dinge unterschiedlichster Natur gleichzeitig geregelt werden müssen. Daher ist es wichtig, bei einer Erbschaft einen kühlen Kopf zu bewahren und sich mit den Vermögensverhältnissen des Verstorbenen zu beschäftigen, da der Erbe auch für die Schulden des Verstorbenen mit dem eigenen Vermögen haftet. Das bedeutet, dass dieser bei der Annahme des Erbes jegliche Verbindlichkeiten übernimmt. So kann auch die schönste Immobilie schnell zum Albtraum werden, wenn sie bis zum Dachstuhl mit Schulden belastet ist. Insgesamt werden dem Erben sechs Wochen eingeräumt, um den Nachlass gegebenenfalls auszuschlagen. 

Eine Erbschaft ist ein emotionales Thema, das schnell überfordern kann

Sollte sich der Erbe für den Nachlass entscheiden und das Erbe annehmen, muss dieser im Zeitraum von drei Monaten nach dem Tod des Erblassers das Finanzamt über die Erbschaft informieren. Wird diese Zeitspanne nicht eingehalten, kann dies von der Finanzbehörde als Steuerhinterziehung ausgelegt werden. Wenn es sich um eine vererbte Immobilie handelt, muss die Person, die diese vermacht bekommen hat, einen Antrag auf Berichtigung des Grundbuchs stellen. Der Erblasser ist nämlich noch immer als Eigentümer im Grundbuch eingetragen. Der Antrag auf Grundbuchberichtigung wird schriftlich beim Amtsgericht angesiedelten Grundbuchamt, in dessen Bezirk sich das Grundstück befindet, eingereicht. Einzig erforderlich dafür ist die Vorlage des Erbscheines oder eines notariellen Testamentes. Die Umschreibung des Immobilieneigentums auf den oder die Erben ist kostenfrei, wenn der Antrag auf Grundbuchberichtigung innerhalb von zwei Jahren nach dem Tod des Erblassers gestellt wird.

Kein Alleinerbe: Teil einer Erbengemeinschaft

Was unbedingt beachtet werden sollte, ist die Anzahl der eingesetzten Erben. Gibt es nur einen Erben wird dieser als Alleinerbe bezeichnet. Es kann allerdings auch vorkommen, dass testamentarisch mehrere Erben eingesetzt werden. Ist dies der Fall, spricht man von einer sogenannten Erbengemeinschaft. Wer als Teil einer Erbengemeinschaft eine Immobilie erbt, muss sich im Klaren darüber sein, dass Einigkeit gefordert ist und die Verwaltung des Nachlasses gemeinschaftlich erfolgen muss, da ein Miterbe nicht über einen einzelnen Nachlassgegenstand verfügen kann, sondern stets über seinen Erbanteil als Ganzes verfügt. So muss auch der Verkauf einer gemeinschaftlich geerbten Immobilie mit einem einstimmigen Beschluss der Miterben erfolgen.

Steuerliche Abgaben für den Nachlass

Ein Erwerb von Vermögensgegenständen durch eine Erbschaft unterliegt der Erbschaftsteuer, die unter § 1 Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, ErbStG geregelt ist. Jedoch steht jedem Erbe ein Freibetrag zu, auf den keine Steuern gezahlt werden müssen. Dabei ist der Verwandtschaftsgrad ausschlaggebend.

  • Ehepartner und eingetragene Lebenspartner: EUR 500.000,-
  • Kinder und Stiefkinder: EUR 400.000,-
  • Enkel: EUR 200.000,-
  • Eltern und Großeltern: EUR 100.000,-
  • Alle anderen Erben: EUR 20.000,-

Zudem bezieht sich das Erbschaftsteuergesetz auf drei Steuerklassen, die sich ebenfalls auf den Verwandtschaftsgrad beziehen (§ 15 ErbStG):

  • Steuerklasse I: Ehegatten, Lebenspartner, Kinder, Stiefkinder, Abkömmlinge von Kindern und Stiefkindern, Eltern und Großeltern
  • Steuerklasse II: Geschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder und Schwiegereltern sowie geschiedene Ehegatten
  • Steuerklasse III: Alle übrigen Erben

Wer eine Immobilie erbt, hat vieles zu beachten. Zuerst sollten sich Gedanken darüber gemacht werden, wie die Immobilie zukünftig genutzt werden soll: Möchte der Erbe selbst darin wohnen oder soll die Immobilie vielleicht veräußert werden? Grundsätzlich ist kein Erbe dazu verpflichtet, eine Erbschaft anzunehmen. Für eine so wichtige Entscheidung sollte man sich Zeit nehmen und sorgfältig alle Faktoren miteinander abwägen.

12.02.2019 Artikel-ID: 86274