Enzo Enea

Enzo Enea: "Mein Ziel ist es, Räume zu schaffen"

Der Schweizer Enzo Enea entwirft Gartenanlagen auf der ganzen Welt, sogar für den britischen Thronfolger hat er schon gearbeitet. Ein Gespräch über Bäume, Prada-Schuhe und seine wichtigste Gestaltungsregel

Welche Kunden sind Ihnen am liebsten?

Alle Kunden, die ihr Vorhaben mit Leidenschaft angehen und sich Zeit nehmen, sich mit dem Projekt auseinanderzusetzen.

Gibt es Regeln für die Gestaltung eines Gartens, die immer gelten?

Meine Regel jedenfalls lautet: Genius Loci, was so viel heißt wie "der Ort bestimmt". Davon leite ich meine Gestaltung ab.

Garten mit Baumhaus in Coburg

Wissen die Kunden meist, was sie wollen?

Das ist unterschiedlich. Einer, der sein zweites oder drittes Haus baut, lässt sich jedenfalls gern Vorschläge machen. Ich berücksichtige dabei viele Aspekte. Wie sich die Architektur in die Landschaft einbettet und wie das Gebäude ausgerichtet ist. Dann: Wie wirken die Kräfte der Natur auf den Ort ein – Sonne, Wind, Schattenwürfe und so weiter. Im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter. Bei diesen Betrachtungen entstehen dann die Räume, die man brauchen kann.

Ist Gartenplanung Frauensache?

Es gibt das Klischee, dass Frauen eher ästhetisch orientiert sind, sich mehr mit Farben beschäftigen und Männer dagegen fragen, wie funktioniert das genau mit den technischen Sachen, mit Licht, Steinplatten, Holz. Im Allgemeinen stimmt das auch. Aber in der Regel entscheidet das Ehepaar gemeinsam.

Sie sagen, jedes Detail helfe Ihnen beim Planen, auch die Schuhe der Kundin. Nehmen wir an, sie trägt Prada …

Es zeigt sich schnell, wie jemand tickt. Ob er einen üppigeren oder schlichten Geschmack hat. Fährt er Audi oder Mercedes? Das sagt ja auch schon etwas. Und vermutlich ist es so, dass eine Frau, die einen schlichten Prada-Schuh trägt, einen anderen Geschmack hat als eine in Louboutins mit Absätzen und roten Schuhsohlen. Man versucht, einen Menschen zu lesen. Im Laufe der Zeit habe ich diesbezüglich viele Erfahrungen gesammelt.

Garten des Hotels Chateâu de Germigney in Port-Lesney, Frankreich

Gibt es Wünsche, die Sie nicht erfüllen?

Im Gespräch merkt man schnell, ob man etwas zusammen erarbeiten kann. Man arbeitet ja dann schließlich mehrere Jahre zusammen. Wilde Wünsche werden aber nicht oft an mich herangetragen. Ein berühmter Sänger wollte mal einen Teich in Klavierform, aber so was ist dann schwierig für mich.

Gibt es international unterschiedliche Gartenstile?

Wie gesagt: Der Ort ist entscheidend. Die Pflanzen müssen dort auch wachsen können. Angenommen, Sie lieben mediterrane Vegetation und wünschen sich Olivenbäume in Ihrem Garten in Hamburg – das ist dekoriert und nicht integriert. So etwas mache ich nicht.

Wie gehen Sie bei der Planung vor?

Zuerst wird der Raum definiert. Wie wird er gebraucht? Zum Lesen, zum Essen, zum Spielen? Wie integriert man die Materialien mit dem Innenraum? Wie erzielt man einen Mehrwert? Sind die Fragen beantwortet, leiten wir die konkrete Umsetzung davon ab.

Und die Kunden, was wollen die?

Das ist verschieden. Okay, sie wollen Schatten, sie wollen Privatsphäre. Wir versuchen herauszukristallisieren, wie der Kunde den Gartenraum braucht. Wir kopieren uns nie selbst, sondern gestalten immer wieder neu.

Sie sagen: Ich vergesse Namen, aber nie einen Baum, den ich gepflanzt habe. Wie kann das sein bei 50 bis 60 Gärten, die Sie pro Jahr gestalten?

Das funktioniert wie ein audiovisuelles Gedächtnis. Menschen erkenne ich an den Gesichtern wieder, aber die Namen? Bäume assoziiere ich mit meiner Arbeit, für die ich mit Herzblut lebe.

Baummuseum
Enzo Enea sammelt seit über 25 Jahren Bäume, die andere nicht mehr wollen. In seinem Museum in Rapperswil finden sie ein neues Zuhause

05.02.2019 Artikel-ID: 86198