Smart-Home-Trends: Welche neuen Entwicklungen gibt es?

Wir steuern auf immer smartere Zeiten zu. Bei der intelligenten Vernetzung der eigenen vier Wände dreht sich alles um Entertainment, Sicherheit sowie die Erleichterung des Alltags. Ein Überblick über die neuesten Trends in Sachen Smart Home und Smart Furniture

Ging es hierzulande 2017 und vor allem 2018 darum, das Thema Smart Home den Verbrauchern überhaupt erst einmal näherzubringen und Smart Home in Privathaushalte zu integrieren, geht die Branche jetzt einen großen Schritt in Richtung Massenmarkt. Prognosen zeigen einen deutlichen Anstieg der Smart Home Haushalte – waren es 2017 erst 4,25 Millionen, sollen es 2020 schon 7,78 Millionen sein, 2023 dann sogar 12,5 Millionen Haushalte. Der Markt von Anbietern smarter Home-Lösungen boomt also.

Smarte Arbeitswelt: Nach getaner Arbeit verschwindet der Schreibtisch von Floating Office per Appsteuerung unter der Decke

Das bestätigt auch Ursula Geismann, Trendanalystin des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM): "Smart Home kam eigentlich in der Küche auf und erobert allmählich die anderen Wohnbereiche", sagt die Expertin. "Auch wenn sich bislang hauptsächlich Gadget-Fans dafür interessieren – insgesamt ist eine positive Entwicklung pro Smart Home zu erkennen." Das lässt sich vor allem an den vielen Sprachassistenten wie "Alexa" oder "Google Assistant" ablesen, die seit 2019 in privaten Wohnungen Einzug gehalten haben, zusammen mit einer Schwemme anderer smarter Geräte, vom Saugroboter bis zur Funksteckdose. Mittlerweile lassen sich nicht nur Licht und Sound per App oder Gesten- und Sprachsteuerung bedienen, sondern auch Vorhänge, Backöfen, Sessel und andere Möbelstücke. Eine Weltneuheit, die Ursula Geismann zum Beispiel begeistert: ein Schreibtisch des Herstellers Floating Office, der an Seilen hängt und nach getaner Arbeit elektrisch ganz unter die Decke gezogen werden kann, natürlich per App.

Was kommt Neues auf den Smart Home-Markt?

Der Trend gehe klar zu allen Anwendungen, die mit Komfort und Bequemlichkeit zu tun haben, sagt Ursula Geismann. "Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt, smarte Anwendungen werden immer vielfältiger und verlässlicher." Zum Beispiel kann die Raumluft computergesteuert durch das häusliche Heizungs- und Lüftungssystem gereinigt oder erwärmt werden, bevor die Bewohner nach Hause kommen. Gleichzeitig kann ein solches System für mehr Sicherheit sorgen, indem es zum Beispiel per Smartphone meldet, dass das Fenster noch offen ist. Oder die Bewohner können damit per Fernsteuerung ihre Anwesenheit vortäuschen, selbst vom Urlaubsort aus.

Wichtig ist dabei, dass die Systeme reibungslos miteinander kommunizieren können, deshalb liegt das Augenmerk der Smart Home-Branche seit letztem Jahr darauf, Geräte und Dienste besser miteinander zu vernetzen. "Dass die Geräte untereinander kommunizieren, das ist die Zukunft“, sagt Geismann. "Wenn beispielsweise das Photovoltaik-Dach dem Rasenmäher sagt, dass er loslegen kann, weil es mit der Wetterstation kommuniziert, die weiß, dass kein Regen kommt. Oder wenn Heizung und Lüftung die Temperatur gemeinsam regulieren, der Kühlschrank selbstständig Milch nachbestellt, die dann per Drohne geliefert wird oder der Grill meldet: Das Gemüse ist gar. Das wird es alles einmal geben."

Durch Künstliche Intelligenz (KI) und sogenannte Context Awareness werden immer mehr Geräte in der Lage sein, Bedürfnisse zu erahnen und sich gleichzeitig auf die jeweilige Situation des Nutzers einzustellen. Die intelligenten Matratzen des Herstellers Tempur Sealy können das zum Beispiel jetzt schon: Sie heizen den Fußbereich, sobald man sich ins Bett legt, passen Härte und Stützkraft je nach Liegeposition an, erkennen, wenn der Partner schnarcht und erhöhen dann auf dessen Seite das Kopfstück um ein paar Grad. Sogar das Wecken übernimmt das Bett und löst den Alarm erst aus, wenn der Morgenschlaf in einem festgelegten Zeitfenster am leichtesten ist. Ein Smart Furniture, das sich perfekt den Gegebenheiten des Alltags anpasst - und ihn erleichtert. (-> Mehr Beispiele für Möbel mit intelligenten Zusatzfunktionen in allen Wohnbereichen finden Sie am Ende dieses Artikels)

"Das Smart Home ist längst soweit, dass es erkennt, was der Bewohner möchte", sagt Martin Vesper, CEO der digitalSTROM AG. "Dazu ist aber eine konsequente digitale und intelligente Vernetzung notwendig, die zukünftig auch in Wohnräumen Einzug halten wird." Auch Desiree Schneider, Pressesprecherin beim Smart Home Initiative Deutschland e.V. sagt: "Heute baut man Häuser so, dass man grundsätzlich alle Möglichkeiten hat, sie für zukünftige technische Anforderungen aufzurüsten." Bereits bestehende Immobilien, die smart aufgerüstet werden, erfahren einen immensen Mehrwert, vor allem, weil sich mit der intelligenten Vernetzung in einem Smart Home zahlreiche Prozesse optimieren lassen – so kann man an den richtigen Ecken sparen, ohne auf Komfort zu verzichten.

Der Smart Home-Trend wird also nicht aufzuhalten sein – auch wenn es hierzulande immer noch Skeptiker gibt, die aber vor allem das Thema Datensicherheit umtreibt. Sie sorgen sich um ihre Privatsphäre, wenn Apps und Sprachassistenten das Zuhause steuern. "In Deutschland fangen wir aktuell erst an, das Thema smartes Wohnen als Standard zu etablieren", sagt Desiree Schneider. "Falls es eine Anbindung ans Internet gibt, wird das auch mit Vorsicht zu genießen sein – Stichwort Datenschutz. Nutzer wollen ihre persönlichen Daten nicht preisgeben." Dabei funktioniert das klassische Smart Home nicht zwangsläufig nur mit einer Internetverbindung, es kann auch über Sensoren gesteuert werden, die mit extrem kurzen und verschlüsselten Funktelegrammen ihre Messwerte an die Smart-Home-Zentrale zu Hause melden.

Für Martin Vesper ist noch ein anderer Aspekt für den Erfolg entscheidend: "Für eine breite Akzeptanz, das Smart Home als alltäglich anzusehen, ist eine einfache Bedienbarkeit die wesentliche Voraussetzung. Und der Wille der Gesellschaft, sich darauf einzulassen." Das wird spätestens dann der Fall sein, wenn Smart Home-Systeme für alle erschwinglich werden und gemeinsame Standards den Verbrauchern die Angst nehmen, dass teuer erworbene Devices nicht miteinander funktionieren könnten.

Noch mehr Smart Furniture

Smartes Badezimmer



Der Smart Mirror sorgt für Durchblick in Sachen News, Wetter, Termine etc.

Schaut man morgens in den vernetzten "Smart Mirror", zeigt einem der Badezimmerspiegel wichtige Termine, Nachrichten, Wetter und Verkehr an. Auf Wunsch ist er in fünf Helligkeitsstufen beleuchtbar, liefert Horoskope und zeigt sogar, wie man die Krawatte richtig bindet. Zusätzlich ist ein Webradio samt unsichtbarer Lautsprecher integriert. Eine permanente Antibeschlagfunktion garantiert klare Sicht.

Für die Dusche gibt es eine Warm-up-Funktion von Armaturen. Sobald die Wunschtemperatur erreicht ist, stoppt der Wasserfluss, bis man unter die Dusche tritt. Auch neu: die Touch-Sensorik. Mit einem einfachen Handstreich kann man in der Dusche Wassertemperatur und Lichtstimmung regulieren. Für die Badewanne gibt es außerdem Armaturen, die die gewünschte Wassertemperatur und die Füllhöhe speichern – auch das eine Erleichterung. Während das Vollbad einläuft, kann man andere Dinge erledigen.



Smarte Küche

In einer intelligenten Küche erkennt der Backofen das Gericht selbstständig und wählt die optimale Garzeit aus. Dank passender App kann man im Supermarkt kurz einen Blick in den Kühlschrank werfen. Außerdem lässt sich der morgendliche Cappuccino ebenfalls über die App ordern und steht im Kaffeevollautomaten bereit, wenn man aus dem Bad kommt. Sogar der Geschirrspüler bestellt selbstständig Tabs nach, wenn diese zur Neige gehen.

Dieses Sofa misst, wie viel Zeit die Familie darauf verbringt



Smartes Wohnzimmer

Noch einen Schritt weiter geht der kanadische Möbelhersteller Leon’s. Er hat ein Sofa entwickelt, das die Zeit misst, die die Familienmitglieder darauf miteinander verbringen und das sich dabei auch die einzelnen Lieblingssitzpositionen merkt.

Smartes Büro

Auch praktisch - smarte Schreibtische, so wie "Eliot", der Steh-Sitz-Tisch des Münchner Start-Ups Smartfurniture, der einen ans regelmäßige Aufstehen erinnert. Er lässt sich stufenlos zwischen 60 und 130 cm Höhe verstellen, bevorzugte Gewohnheiten können gespeichert werden. Der Vorteil hier: Mit einer eigens programmierten App soll sich jeder Schreibtisch verstellen lassen.

Nimmt man die Tischplatte des "DK-04" aus Taiwan ab, stößt man auf Platz für ein Mainboard, Festplatten, Prozessoren und Lüfter. Man hat hier Computergehäuse und Schreibtisch in einem. Ähnlich funktioniert der italienische "D-Table" - ein handgefertigter Tisch aus Edelholz und Metall mit technischen Features. Der "Smart Desk" der russischen Firma Tabula Sense verfügt neben zahlreichen Gadgets sogar über einen integrierten Induktions-Getränkewärmer.


15.03.2020 Artikel-ID: 89351