Jan Kath: Der Knoten-Kosmopolit

Dieser Mann kennt keine Berührungsängste. Mit der Kombination klassischer Elemente, traditioneller Techniken und moderner Designs revolutionierte Jan Kath die Teppichwelt. Ein Gespräch mit dem Knoten-Künstler

Herr Kath, Sie arbeiten in dritter Generation mit Teppichen. War Ihr Weg vorgezeichnet?

Meine Eltern besaßen ein großes Teppichhaus, und auch mein Großvater handelte schon mit Teppichen. Allerdings waren für mich damit nie irgendwelche Erwartungen verknüpft. Mit Anfang 20 brach ich für eine längere Reise nach Asien auf, und wie es der Zufall wollte, traf ich in Nepal einen Lieferanten meines Vaters, der gern wieder nach Deutschland wollte. Ich wollte in Asien bleiben und wurde so mit 23 sein Mann vor Ort.

Teppich "Magic View 2" aus der Jungle-Reihe

Wie kann man sich das Zuhause Ihrer Kindheit vorstellen? 

Jeder, der einmal in einem Teppichlager war, weiß, dass es wohl kaum einen besseren Spielplatz für Kinder gibt. Meine drei Geschwister und ich sind von Teppichstapel zu Teppichstapel gehüpft. Aber auch zu Hause war das Geschäft meiner Eltern präsent: Unsere Einrichtung war sehr modern, durch die traditionellen Teppiche entstand ein gelungener Stilmix. Auch bin ich in einem sehr internationalen Umfeld aufgewachsen. Bei uns war es normal, dass wir Gäste aus dem Iran oder Indien hatten – und das vor 40 Jahren.

Stimmt es, dass Sie keinen Ihrer Teppiche in Ihrem Wohnhaus haben?

Ich habe schon Teppiche, das sind aber Stücke, die ich geerbt habe. In meinem zweiten Zuhause in Thailand habe ich aber einen großen Teppich aus unserer Kollektion. Als Kontrast in diesem traditionellen Häuschen im Dschungel, das wir aber modern eingerichtet haben. Der Grund, dass in meinem Haus in Deutschland keiner meiner Teppiche liegt, ist, dass ich Abstand haben möchte; und: Ein guter Goldschmied trägt seinen Schmuck nie.

Ihre Teppiche werden auch heute noch von Hand geknüpft. Ein aussterbendes Handwerk?

Neben dem Anspruch, tolle Teppiche produzieren zu wollen, ist es mein Anliegen, dass dieses alte Handwerk nicht stirbt. Unsere Hauptknüpferei liegt in Nepal, aber wir arbeiten überall dort, wo die Teppichknüpferei traditionell beheimatet ist. Zudem gibt es keine Maschinen, die Knüpftechniken so imitieren können, dass es unseren Ansprüchen genügt. Ein handgeknüpfter Teppich, der auf einer technisch versierten Grundlage und mit guten Materialien hergestellt wurde, strahlt Seele aus – das wird eine Maschine nie schaffen können.

Woran arbeiten Sie gerade? 

Ich arbeite meistens an einigen Dingen parallel. Innerhalb der Erased-Heritage-Reihe ist gerade eine neue Kollektion entstanden. Hier habe ich mich von Teppichen inspirieren lassen, die im 16. Jahrhundert in Iran für das polnische Königshaus hergestellt wurden. Diesem Mix aus Ost und West habe ich meine persönliche Note hinzugefügt. 

"Bidjar Paddington World": Teppich aus der Erased-Heritage-Reihe  

19.12.2019Laura Lepple Artikel-ID: 89000