70 Jahre Vitra: Designklassiker für die Ewigkeit

Seit 1950 bereichert das Schweizer Unternehmen Vitra die Wohn- und Bürowelt mit seinen zeitlos schönen Möbeln. Wie Vitra wurde, was es heute ist – plus 10 Must-Have-Klassiker  

Charles und Ray Eames

Ob Willi und Erika Fehlbaum ahnten, dass diese Begegnung ihr Leben verändern würde? 1953 war das Schweizer Ehepaar zu Besuch in New York, als sie auf Ausstellungsstücke von Charles und Ray Eames stießen. Drei Jahre zuvor hatten die Fehlbaums Vitra gegründet. Das Ziel: mit modernen, funktionalen und hochwertigen Möbeln den Möbelmarkt zu revolutionieren. Und nun war da das Ehepaar Eames, das diese Vision in Perfektion verkörperte. Spontan besuchten Willi und Erika Fehlbaum die Eames in Kalifornien. Ein Treffen, das nicht nur den Beginn einer tiefen Freundschaft markierte, sondern auch einer Zusammenarbeit, die bis heute andauert. Denn Willi Fehlbaum war so fasziniert von den Arbeiten der Eames, dass er sich die Produktionsrechte sicherte und ihre Möbel fortan in Europa herstellen und vertreiben ließ. Und er brachte nicht nur die Eames nach Europa: Auch andere namhafte Designer wie George Nelson und Verner Panton gesellten sich mit der Zeit zur Vitra-Familie.

Rolf Fehlbaum (2 v.l.) mit Verner Panton (2. v.r.)

1977 übernahm Rolf Fehlbaum die Firma seines Vaters. Und machte Vitra zu dem, was es heute ist: eines der führenden Designunternehmen weltweit. Er ließ Möbel bauen, die es noch nie gab, experimentierte mit neuen Herstellungsmethoden, Farben, Formen und Materialien und verstand den Designer als Autoren mit eigener Handschrift, vor dem er größten Respekt hatte. Unter seiner Leitung entstanden viele neue Produkte. Vitra konzentrierte sich ab sofort auf den Büromarkt, entwarf für Coca-Cola, Lufthansa und den Deutschen Bundestag Möbel, die Ergonomie mit gutem Design verbanden. Fehlbaums These – das Büro sei weit mehr als ein Arbeitsplatz und müsse daher immer auch die Bedürfnisse der Angestellten berücksichtigen – hat das heutige Verständnis der Arbeitswelt entscheidend geprägt.

Kosmos aus Design, Architektur & Kultur

Das Vitra Design Musuem von Frank O. Gehry

1981 zerstörte ein Großbrand das Produktionsgelände im südbadischen Weil am Rhein. Mit dem Wiederaufbau beauftragte Rolf Fehlbaum unbekannte Architekten, die später die ganze Welt kennen sollte: Frank O. Gehry, Zaha Hadid, Nicolas Grimshaw. Sie schufen ein einzigartiges Bau-Ensemble – den Vitra Campus, der sich zu einem Mekka für Design- und Architekturliebhaber entwickelt hat. Hier steht das Vitra Design Museum, dessen Grundstock sich aus Rolf Fehlbaums eigener Sammlung speist. Oder das 2010 vollendete VitraHaus, eine architektonische Meisterleistung und Besucherzentrum für die rund 300.000 Touristen jährlich.

Die Vitra Home Collection

2004 lancierte Vitra die Home Collection und baute so neben dem Büromöbelmarkt die Wohnwelt fürs Zuhause weiter aus. Sie umfasst Klassiker wie den Eames Lounge Chair, aber auch zeitgenössische Entwürfe, die das Zeug zu zukünftigen Klassikern haben. Gemein ist ihnen auf die Essenz reduziertes langlebiges Design, das Vitras Produktverständnis seit jeher prägt. "Wir sind dem Gedanken der Moderne verpflichtet", sagt Deutschland-Chef Rudolf Pütz im Interview in unserer neuen Ausgabe der DC Homes. "Alles, was schnörkelhaft ist, gehört nicht dazu."

Modern zu denken, das bedeutet für Vitra auch, nachhaltig zu denken: "Der größte Beitrag von Vitra an die Nachhaltigkeit sind überdurchschnittlich langlebige Produkte, die alles Überflüssige weglassen", so Vitra-CEO Nora Fehlbaum, die 2016 die Nachfolge ihres Onkels Rolf Fehlbaum angetreten hat. Und was könnte nachhaltiger sein als Möbel, die Jahrzehnte in Gebrauch bleiben und von einer Generation an die nächste übergehen?

10 Designklassiker von Vitra

Eames Lounge Chair

Geburtsjahr: 1956

Schöpfer: Charles & Ray Eames

Idee: moderne Interpretation des englischen Clubsessels

Kennzeichen: große Sitzschale, Lederpolster, drehbarer Sternfuß

Ausführungen: verschiedene Größen, Leder, Holzschalen und Untergestelle, auf Wunsch mit Ottoman

Preis: ab 4.860 €

Eames Plastic Side Chair

Geburtsjahr: 1950

Schöpfer: Charles & Ray Eames

Idee: zeitgenössische Version des Fiberglass Chair

Kennzeichen: geschwungene Sitzschale aus Kunststoff, Holzgestell, ganz neu gibt es ihn auch mit weißem Untergestell

Ausführungen: verschiedene Farben und Polster

Preis: ab 235 €

Panton Chair

Geburtsjahr: 1967

Schöpfer: Verner Panton

Idee: von der Pop Art inspiriert

Kennzeichen: Freischwinger ohne Hinterbeine, ein Guss, Kunststoff

Ausführungen: sechs Farben

Preis: ab 259 €

Eames Elephant

Geburtsjahr: 1945

Schöpfer: Charles & Ray Eames

Idee: Spielzeug für Kinder entwerfen

Kennzeichen: zweiteilig, Elefantenform

Ausführungen: zwei Größen, aus Kunststoff in sieben Farben, aus Sperrholz in Amerikanischem Kirschbaum

Preise: ab 85 €

Ball Clock

Geburtsjahr: 1948

Schöpfer: George Nelson

Idee: Optimismus und Fortschritt der Nachkriegszeit mithilfe modernen Designs ins Wohnzimmer bringen

Kennzeichen: farbige Holzkugeln statt Zifferblättern, Quarzuhrwerk

Ausführungen: sechs Farben

Preis: ab 295 €


Akari 120A

Geburtsjahr: 1951

Schöpfer: Isamu Noguchi

Idee: "Die Magie des Papiers verwandelt die kühle Elektrizität zurück ins ewige Licht der Sonne" (Noguchi)

Kennzeichen: aus Washi-Papier, Konturen von Sonne und Mond

Ausführungen: Neben der Deckenleuchte beinhaltet die Akari-Kollektion Tisch- und Stehleuchten.

Preis: 2.589 €

Rotary Tray

Geburtsjahr: 2014  

Schöpfer: Jasper Morrison

Idee: moderne Interpretation der Etagere

Kennzeichen: drehbares Oberteil, Kunststoff

Ausführungen: acht Farben

Preis: 49 €

Tip Ton

Geburtsjahr: 2011

Schöpfer: Edward Barber & Jay Osgerby  

Idee: Vorgeneigte Sitzposition richtet Becken und Rückgrat auf.

Kennzeichen: nach vorn kippbar, ergonomisch, eine Gussform, Kunststoff

Ausführungen: acht Farben

Preis: 269 €

Sofa Alcove

Geburtsjahr: 2006

Schöpfer: Ronan & Erwan Bouroullec

Idee: Rückzugsort im Büro für konzentriertes Arbeiten und Besprechungen. Auch im Privatbereich beliebt.

Kennzeichen: sehr hohe Rücken- und Seitenlehnen, einige Modelle mit Stahlrohrrahmen

Ausführungen: verschiedene Farben, Höhen und Polsterungen

Preis: ab 4.010 €

Coffee Table

Geburtsjahr: 1944

Schöpfer: Isamu Noguchi

Idee: Fortsetzung der skulpturalen Plastikarbeiten des Designers

Kennzeichen: zwei versetzte Holzbeine, rund geschliffene Glasplatte

Ausführungen: verschiedene Hölzer

Preis: 2.795 €

 

15.03.2020 Artikel-ID: 89281