Ein Baumhaus als Traumhaus

Lust auf Abenteuer und Freiheit, in einer kleinen versteckten Villa Kunterbunt in luftiger Höhe? Dann ab nach oben ins Baumhaus! Und zwar ins eigene. Wie Sie sich den Traum vom Haus im Baum erfüllen können. 

Wer ein Baumhaus baut, möchte etwas Besonderes, etwas Bleibendes schaffen. Ein kleines Refugium, für andere unerreichbar. Den vollen Terminkalender vergessen, relaxen, sich auf das Wesentliche konzentrieren. In einem Geheimversteck, das Schutz und Sicherheit bietet wie eine Höhle. Ein Baumhaus ist wahrer Luxus – man lässt die Lebenskraft der Bäume auf sich wirken, trotzt dabei Wind und Wetter. Man ist in und mit der Natur. Was muss man tun für dieses einzigartige Erlebnis mit Panoramablick?

Erster Schritt zum Baumhaus

Zu Beginn steht die Suche nach dem geeigneten Ort, erst dann sollte man in die Gestaltung investieren. Gibt es einen bestimmten Baum oder kommen mehrere in Betracht? Beide Varianten sind möglich, sowohl Entwürfe für Solitäre als auch eine Konstruktion für mehrere Bäume. Achtung: Der Abstand voneinander darf hier höchstens 5,5 Meter betragen. 

Welche Bäume eignen sich?

Am besten geeignet sind Eiche, Buche, Kastanie, Ulme, Platane, Fichte, Ahorn, Lärche. 
Auch möglich: Linde, Birke, Kirsche, Hainbuche, Kiefer, Pappel, Weide, Nussbaum, Linde, Ginkgo.

Wie muss der Baum beschaffen sein?

Hier ist Baumverständnis unerlässlich, man sollte sich von einem Baumgutachter bestätigen lassen, dass der Baum gesund ist, außerdem robust und im Idealfall groß. Bei Planung eines Baumhauses auf nur einem Baum sollte der Stamm mindestens 30 Zentimeter Durchmesser haben, so Baumhausarchitekt Johannes Schelle von Baumbaron. Je breiter der Baum, desto besser, umso mehr Möglichkeiten bieten sich, ein Baumhaus zu befestigen. Der Baum muss Stabilität bieten, darf aber weder in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt noch beschädigt werden. Er muss ungestört wachsen können.

Wie hoch muss der Baum fürs Baumhaus sein?

Der renommierte amerikanische Baumhausarchitekt Pete Nelson empfiehlt eine Bauhöhe, die man mit einer guten Leiter sicher erreichen kann, also zwischen 3 und 6 Meter über dem Boden.

Wichtig ist vor allem, dass die Baumkronen der betreffenden Bäume in etwa 4 bis 5 Meter über dem Boden beginnen. Dadurch ist das Baumhaus ausreichend von Laub umgeben und wird so erst zum abgeschotteten Rückzugsort. Kleine Jungbäume sind als Standort eher ungeeignet, aber auch hier bieten Profis eine Lösung – die Plattform wird um den Baum herum gebaut. Ein so genanntes "Stelzenhaus" entsteht, das Gefühl von Freiheit über dem grünen "Teppich" ist das gleiche.

DIY-Hütte: Wie baue ich ein einfaches Baumhaus?

Für handwerklich Geschickte kein Problem. Als Material werden Bretter, Holzbalken, Dachziegel und Wellblech verwendet. Wenn einige Vorarbeiten erledigt sind, kann das Geheimversteck an einem Wochenende fertig sein. Hunger? Durst? Kein Problem – über eine Seilwinde zieht man einen Korb hoch, das perfekte Transportmittel für Snacks und Getränke. Schnell noch die Strickleiter verschwinden lassen und das Abenteuer kann beginnen.

Wie lange dauert es von der Idee bis zum Baumhaus für Erwachsene?

Man muss je nach Anspruch und Zeit der Beauftragung mit durchschnittlich 6 Monaten rechnen. Bei einem Ortstermin werden zunächst die Ideen des Kunden detaillierter besprochen, der Baum wird vermessen, erste Skizzen werden entworfen. Danach werden die Entwürfe in Bilder umgesetzt und Änderungswünsche eingearbeitet. Wenn beide Seiten mit dem Ergebnis zufrieden sind, wird ein Angebot erstellt.

Was kostet ein Baumhaus?

Baumhäuser von der Stange gibt es nicht, jedes wird individuell geplant. Die Kosten von Baumhaus zu Baumhaus sind daher verschieden. Relevant für den Preis sind neben Planung, Material, Ausstattung (normalerweise Tisch, bequemer Sessel und Schlafmöglichkeit, kleine Terrasse, im Idealfall überdacht), Größe und Form auch die Montagemöglichkeiten vor Ort.

Kleinere, einschalige Baumhäuser, die bestens für eine Übernachtung im Sommer geeignet sind, sind schon ab 10.000 Euro zu realisieren. Ein Baumhaus, in dem man sich auch bei kälteren Temperaturen gerne aufhält, sollte wärmegedämmt und doppelt verglast sein. Inklusive Montage kostet so ein Baumhaus ab ca. 35.000 Euro.

Wer allerdings gutes Design auf engem Raum wünscht, muss mit deutlich mehr rechnen. Baumhaus-Architekt Andreas Wenning von Baumraum erinnert sich an sein bisher größtes Projekt: ein kleines Luxusdomizil von 50 Quadratmetern für 160.000 Euro. Der modernen Baumhausarchitektur sind keine Grenzen gesetzt.

Braucht man eine Baugenehmigung?

Ob ein Baumhaus genehmigt werden muss, hängt von dessen Größe (Bruttorauminhalt), der Nutzung und dem genauen Standort ab. Hier empfiehlt es sich dringend, die Bauvorschriften des jeweiligen Bundeslandes zu beachten und bei der zuständigen Baubehörde nachzufragen. Für ein kleines Spiel-Baumhaus auf privatem Grundstück ist meist keine Baugenehmigung erforderlich, vorausgesetzt es hat weder Strom noch Dämmung und auch keinen festen Schlafplatz.

Hat das Baumhaus allerdings einen Wohncharakter und Aufenthaltsqualität, verfügt es also über eine Dämmung, Schlafplätze, Strom, Wasser, Heizung und Toilette, wird also tatsächlich als Wohnraum oder gewerblich genutzt (z.B. Airbnb), dann muss ein offizieller Bauantrag eingereicht werden. Mieter dürfen kein Baumhaus bauen.

Wie groß darf das Baumhaus werden?

Bei der Größe müssen mehrere Faktoren berücksichtigt werden. Könnte das Baumhaus Nachbarn stören, deren Ausblick beeinträchtigen oder ihre Privatsphäre verletzen? Könnte es zu Lärmbelästigung kommen? Gibt es vielleicht eine Neubauhöhenbegrenzung oder eine Abstandsflächenregelung?

Entscheidend für ein Baumhaus ist die Größe der Bäume (Statik), die Größe des Geländes (Proportionen des Baumhauses) und natürlich für welchen Zweck man das Baumhaus nutzen möchte.

Die ideale Größe für den Innenraum beträgt zwischen 7 und 20 Quadratmetern. Ein Baumhaus mit einer Grundfläche von 9 bis 14 Quadratmetern bietet zwei Personen genügend Platz. Natürlich gibt es aber auch das luxuriös-komfortable Design-Baumhaus – Charakter der Baumhäuser aus Kindheitstagen gepaart mit Ansprüchen von Erwachsenen. Oberste Priorität sei, so "Baumbaron" Schelle, bei jeder Form, Farbe oder Größe das Baumhaus gelungen ins Umfeld zu integrieren und den Baum mit Umsicht und Ehrfurcht zu behandeln.

Welche Materialien eignen sich für ein Baumhaus?

In den meisten Fällen werden Baumhäuser als traditionelle Holzhäuser errichtet, teilweise jedoch durch eine Metall- oder sogar durch eine Spiegelfassade ergänzt. Geeignete Baustoffe sind Lärche und Douglasie, da diese Hölzer leicht und witterungsbeständig sind. Auch Eiche eignet sich, ist aber schwerer und teurer. Als Dachdeckung bieten sich Zinkbleche an, für die Konstruktion des Unterbaus sind Edelstahlprofile geeignet, da diese rostfrei sind. Wichtig ist ein möglichst geringes Gewicht: Je schwerer ein Baumhaus ist, desto besser muss es abgestützt werden und umso größer ist die Gefahr, den Baum zu beschädigen.

Welche Lebensdauer hat ein Baumhaus?

Im Idealfall hat man als Kind, als Jugendlicher und auch noch als Erwachsener etwas von seinem Baumhaus. Ähnlich wie bei einem Boot lässt sich sagen: Wenn man sein Baumhaus gut pflegt, hält es (fast) ewig. Genau wie ein Boot ist ein Baumhaus in Bewegung und den Elementen ausgesetzt. Die Materialien können verwittern und sollten kontrolliert werden. Schließlich soll das Baumhaus für eine kleine Ewigkeit Freude bereiten – 30 bis 40 Jahre sind da keine Ausnahme.

Kurz gefasst:

Der Baumhaus-Trend kommt aus den USA (einer der Vorreiter ist Baumhaus-Architekt Pete Nelson), ist erst vor knapp 20 Jahren entstanden und hat Deutschland vor etwas mehr als 10 Jahren erreicht. Führende deutsche Baumhaus-Architekten sind Johannes Schelle mit "Baumbaron" (www.baumbaron.de) und Andreas Wenning mit "Baumraum" (www.baumraum.de).

Größtes Anliegen aller Baumhaus-Architekten ist die Sicherheit. Bei der jährlichen "World Treehouse Association Conference" werden wichtige verbindliche Richtlinien ausgearbeitet.

Zum Weiterlesen:

  • "Baumhäuser: Neue Architektur in den Bäumen" von Andreas Wenning (Baumraum)
  • "Baumhäuser - Architektur in den Wäldern" von Eva Hermann, die 40 individuelle Baumhäuser aus aller Welt zeigt
  • "Die wunderbare Welt der Baumhäuser", Design, Konstruktion, Inspiration von Pete Nelson, einem der bekanntesten amerikanischen Baumhaus-Gestalter. Nelson ist Autor zahlreicher Bücher und gibt auch Baumhaus-Workshops.
  • "Baumhäuser - Das ultimative Handbuch" (Black + Decker), fundiertes Know-How vom Werkzeug-Profi
  • "Baumhaus mit Faultier – wie ich mir meinen Lebenstraum in Costa Rica erfüllte" von Ina Knobloch, (2018) – die promovierte Biologin bereist drei Jahrzehnte immer wieder Costa Rica, wo sie schließlich ein Grundstück kauft und jetzt tatsächlich für einige Monate im Jahr in den Gipfeln der Urwaldbäume wohnt.
  • Erwachsenenmärchen "Der Baron auf den Bäumen" von Italo Calvino (1957), "Am 15. Juni 1767 beschließt Baron Cosimo Piovasco di Rondo aus Ombrosa, die Erde zu verlassen, um auf den Bäumen zu leben. Er erhebt sich von der Familientafel, klettert hinauf auf eine Steineiche und wird den Boden nie mehr betreten... "
06.02.2020 Artikel-ID: 86216